Erste Hilfe bei Schimmelpilzbefall

Sie haben Schimmelpilze in der Wohnung entdeckt? Was nun?

Als Mieter sollten Sie:

Schimmelpilze

Schimmelpilze wachsen überall – leider auch in Wohnungen.

1) Den Vermieter kontaktieren und ihm den Schaden beschreiben. Klären Sie, ob Sie bereits erste Maßnahmen ergreifen dürfen oder ob sich der Vermieter den Schaden zuerst selbst anschauen möchte. Bleiben Sie dabei sachlich und ruhig. Für Ihren Vermieter ist die Neuigkeit ebenfalls keine gute Nachricht.

2) Machen Sie Fotos! Stellen Sie hierfür einen Zollstock neben die befallenen Stelle um einen Größenvergleich zu haben.

3) Nehmen Sie gegebenenfalls eine Materialprobe. Dazu ein ca 2-Euro großes Stück Putz abschlagen oder ein 10×10 cm großes Stück befallener Tapete abnehmen und in Aluminiumfolie wickeln.

Vermieter stehen in der Beweispflicht! Diese müssen nachweisen, dass ihr vermietetes Gebäude mängelfrei ist. Deshalb ist es wichtig, dass die Mieter eindeutig nachweisen können, dass in der Wohnung Schimmelpilze wachsen!

Beseitigung eines kleinen Befalls mit Schimmelpilz

4) Desinfizieren Sie den Schimmelpilz am besten mit einem Einweglappen und  70%igem Alkohol. Alternativ gehen auch eine 30% Wasserstoffperoxid-Lösung (Vorsicht! Hochgradig ätzend!). Manche Baubiologen verwenden auch Fruchtsäuren. Eine  “Sanierung” in Eigenregie ist jedoch nur für Kleinschäden (mit einer Gesamtfläche von 0,5 qm) relativ gefahrlos möglich! Größere Schäden sollten unbedingt von einer TÜV-zertifizierten Fachfirma saniert werden.

5) Befallene Tapeten sollten komplett entfernt werden. Dafür die Tapete kurz z.B. mit Tapetenkleister einstreichen, damit die anhaftenden Sporen nicht unnötig aufgewirbelt werde. Staubfrei arbeiten!  Auch den Untergrund noch einmal desinfiziere. Die befallenen Stelle kann mit Wasserglas verkieselt werden. Anschließend am besten keine organischen Materialien mehr an die Wand, sondern eine Kalkfarbe, Kalk- oder Schimmelsanierputz.

6) Reinigen Sie die Wohnung gründlich und lüften Sie nach der Sanierung ausgibig.

7) Die Ursachen müssen ausfindig gemacht und beseitigt werden, sonst wachsen die Schimmelpilze wieder in der Wohnung. Hier helfen Ihnen Bausachverständige, Baubiologen oder TÜV-zertifizierter Sachverständige für Schimmelpilze in Innenräumen weiter.

Bitte kontaktieren Sie bei größeren Schimmelpilzschäden unbedingt einen Sachverständigen!

Denken Sie daran: Weder Vermieter, noch Mieter, noch Eigentümer wollen Schimmelpilzen in Wohnungen haben. Alle haben das ein Interesse: Die Pilze müssen weg.  Streitigkeiten bringen den Schimmel nicht von der Wand. Deshalb versuchen Sie sachlich und ruhig zu bleiben. Gerne helfe ich Ihnen bei schwierigen Gesprächen weiter.

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8 Antworten auf Erste Hilfe bei Schimmelpilzbefall

  1. Paris Summer sagt:

    Hallo, ich finde deine Blog sehr interessant, wenn du interesse hast schau doch mal bei mir vorbei.

    lg Paris

  2. Magnus sagt:

    Hallo,

    ich empfehle jedem, die Luftfeuchtigkeit in seinen Wohnräumen mit Hilfe eines Hygrometers zu beobachten. Diese kleinen Geräte gibt es für ein paar Euro und messen den Feuchtigkeitsgehalt in der Umgebungsluft. Liegt dieser Wert dauerhaft über 60%, droht die Gefahr der Schimmelbildung. Hier sollte man versuchen, durch richtiges Heizen und gezieltes Lüften, den Wert wieder absenken zu können. Auch elektrische Luftenentfeuchter leisten hier gute Dienste. Langfristig sollte allerdings versucht werden, die Ursache der zu hohen Luftfeuchtigkeit herauszufinden und zu beseitigen.

  3. David sagt:

    Hallo,
    Ein guter Artikel, danke für die genaue Schritt für Schritt Anleitung hat mir persönlich sehr geholfen. Ich habe nämlich einen kleinen Schimmelbefall in der Wohnung, wie kann ich feststellen wie schlimm der Befall ist. Bin mir nämlich unsicher ob ich den Schimmel selbst beseitigen soll, oder jemanden beauftragen muss?

    • Sindy sagt:

      Hallo David,
      wenn der Schimmelbefall sichtbar nur klein (also unter 0,5 qm) ist, kann man das selbst machen. Wenn du dir unsicher bist, ob der Schaden evtl z.B. doch unter dem Fußbodenaufbau oder einer Wandverschalung entlang läuft, dann helfen im Prinzip nur zwei Sachen im Selbst-Verfahren:
      1) zerstörungsfrei könntest du dir im Baumarkt ein Feuchtemessgerät leihen (!). Die großen Baumärkte wie Obi, Bauhaus oder Hornbach haben solche Geräte tatsächlich gelegentlich im Verleih. Auch bei Ingeneure, Bausachverständigen, Architekten, Energieberatern u.a. kann man sich mitunter so ein Gerät ausleihen. Einfach mal anklopfen und nachfragen. Lass dir erklären wie du mit dem jeweiligen Gerät umzugehen hast. Zu Hause nimmst du eine trockenen Innenwand mit dem selben Aubau und misst erst mal dort, quasi als Referenzwert. In Relation dazu dann deine verschimmelte Ecke oder der Bereich drum herum. Das ist natürlich nur eine ultra-grobe Messung, aber schon mal ein guter Anfang. Wenn es dort feuchter ist, als an deiner trockenen Wand, kann man davon ausgehen, dass der Schimmel auch dort hineingewandert ist. Auch wenn er noch nicht sichtbar blüht, ist das Myzel (das Pilzgeflecht) des Pilzes meist schon ein gutes Stück weiter gewandert. Das geht bei Schimmel leider rasend schnell. Solche Bereiche sollte man auch sanieren. Mal dir die feuchten Bereiche mit Kreide an, dann kann man besser abschätzen, wie groß die Fläche wirklich ist. Eine Bausanierungsfirma mit TÜV-Zertifizierung zur Schimmelpilzsanierung sollte bei allem eingeschaltet werden, was größer als dieser halbe Quadratmeter ist. Danch ist das Risiko für die eigenen Gesundheit leider zu groß und auch der mit Sporen kontaminierte Staub, den man bei einer Eigensanierung in der Wohnung verteilt, ist nicht mehr zu verantworten.
      2) Mit Zerstörung: Entferne Fußboden, Tapete und andere Boden-/Wandverkleidungen und schau drunter. Ich hab leider schon häufig – gerade im Laibungsbereich von Fenstern – erlebt, dass nach mehrmaligem überstreichen mit Anti-Schimmelfarbe die Pilze dort nicht mehr zu Tage treten, dann aber ein Meter weiter. Entfernt man in solchen Flächen aber die Tapete, wird man sehen, dass der Schimmel unter der Anti-Schimmelfarbe weiter wächst. Man sieht ihn halt nicht, aber er ist noch da.
      Im Zweifelsfall würde ich einfach einen Fachmann kommen lassen und mich beraten lassen. Der kann auch gleich einen Kostenvoranschlag machen, was die Sanierung kosten würde. Dann kann man immer noch entscheiden, denn leider ist bei der Schimmelsanierung der finanzielle Faktor nicht ganz unerheblich.
      Liebe Grüße Sindy

  4. heike Schodl sagt:

    Hallo Sindy!
    Wir haben Holzpaneele im Schlafzimmer, die vom Schimmel befallen sind. Bis wir die nächsten Wochen diese rausreißen und anstelle der Paneelen einen Kalkputz auftragen können, wollen wir erst einmal “1. Hilfe” gegen das Gröbste leisten: vorübergehend in einem anderen Raum schlafen, die befallenen Schränke rausschmeissen und die Paneelen mit flüssigem Kieselgur einpinseln. Erst wenn dann irgendwann die betroffenen Wände mit verbesserter Dämmung und Kalkputz saniert sind, werden wir wieder dort schlafen. Fragen: ist dies eine sinnvolle Vorgangsweise? Muß ich die Klamotten aus den befallenen Schränken wegschmeißen, oder genügt Waschen/Sonnenbestrahlung? Wie gehe ich mit den (fast neuen biologischen Kutuschuk/Schafwoll) Matrazen um?
    Für Deine Bemühungen bedanke ich mich sehr herzlich!!
    Gruß aus der Steiermark/Österreich
    Heike

    • Sindy sagt:

      Hallo Heike,
      das flüssige Kieselgur…was genau wollt ihr damit bewirken? Ist nur eine Frage. Die Paneelen die verschimmelt sind, solltet ihr umgehend entfernen. Wenn es gar nicht anders zu machen ist, dann nehmt 80%igen Ethanol (wenn die Wohnung oder die Ecke in der die Paneelen liegen sehr feucht ist, ansonsten reicht 70%iger) und wischt damit den ganzen Schimmel ab. Mehr kann man dann auch nicht tun, außer das kontaminierte Material möglichst schnell aus der Wohnung zu schaffen. Was die Kleidung in den befallenen Schränken betrifft: Wenn ihr mich als Sachverständige fragt, dann kann ich nur raten das wegzuwerfen. Wenn ihr mich als Mensch und Hausfrau fragt, dann kann ich euch nur sagen, versucht es mal mit so was wie Wäsche Sagrotan (wenn es das in Österreich gibt?) oder ein anderes “medizinisches” Waschmittel, das Viren tötet , denn das tötet auch meist Schimmelpilze und deren Sporen. Anschließend solltet ihr die Wäsche noch mal sehr gründlich spülen, um die “Schimmelpilzleichen” herauszuwaschen. Sollte aber einer zu Hause Probleme mit Schimmelpilzen haben – ich als Schimmelpilzallergiker weiß davon ein Lied zu singen – dann kann ich wirklich nur raten, möglichst viel zu entsorgen oder in eine Fachreinigung zu geben, die darauf spezialisiert sind, kostbare Kleidungsstücke professionell von so ziemlich allem zu reinigen.
      Matratzen sind immer heikel. Wenn diese nicht befallen sind, würde ich sie auf alle Fälle gründlichst absaugen und trocken stellen. Sonnenlicht hilft nicht wirklich, zumal wir nun im Herbst sind, und die Sonne nicht mehr die Kraft hat wie vor ein paar Wochen, aber die Matratzen gut durchlüften zu lassen ist nicht verkehrt. Befallene Matratzen sollten dringend entsorgt werden.
      Die Flächen alle gut mit Ethanol oder Soda-Lauge abwischen, gut abtrocknen lassen. Wer dann noch auf Nummer Sicher gehen will, nimmt eine mineralische Grundierung die die Oberflächen verkieselt (nicht zu verwechseln mit Kieselgur!). Damit wird alles was an Sporen noch in der Wand sitzt gebunden und die Oberfläche noch mal gehärtet. Das dauert ein paar Tage. Erst dann sollte man einen Kalkputz aufbringen. Wenn ihr eine Innendämmung anbringt, bitte nicht “auf gut Glück” dämmen, sondern einen Fachmann fragen, wie dich die Dämmung mit dem entsprechenden Dämmwert bei eurem Wandaufbau sein muss, damit der Taupunkt in der Wand nicht wieder so ungünstig liegt, das Schimmelpilze wachsen können. Eine Außendämmung ist da weniger kompliziert. Leider wird bei Innendämmungen sehr oft sehr viel falsch gemacht, weshalb sehr oft Schimmelschäden bei laienhaft angebrachten Innenwanddämmungen entstehen.
      Ich hoffe das war ein wenig hilfreich.
      Liebe Grüße
      Sindy

      • heike Schodl sagt:

        Hallo Sindy, herzlichen Dank für Deine schnelle und sehr informative Antwort! Sie hilft mir in einigen Punkten weiter. Redest Du mit mineralischer Verkieselung z.B. von Wasserglas? Da hab ich nämlich unter dem Namen “Wood Bliss 1″ und “HM1=Nahos” was zuhause.
        Wenn ich das bei meinen Recherchen als Chemie-Laie richtig verstanden hab, verändert flüssiges Kieselgur die Holzzellwände anscheinend dahingehend, daß diese verkieseln und dadurch nicht mehr für holzfressende Insekten und Pilze als Nährboden dienen können. Abgesehen davon wird Holz dadurch auch schwerer entflammbar. Die Diffusionsoffenheit soll aber anscheinend bestehen bleiben. Wie gesagt: falls ich das richtig interpretiere, was da so über Kieselgur im Internet kursiert…
        Viele Grüße! Heike

        • Sindy sagt:

          Hallo Heike,
          ja, das ist Wasserglas und durchaus für die Verkieselung zu verwenden. Wichtig ist, allerdings, das Ihr das nicht zu dick auftragt.
          Es stimmt schon, das flüssiges Kieselgur die von dir besagten Eigenschaften hat. Dennoch kommt es bei der Anwendung auch immer darauf an, wie dick die Holzschichten sind, von denen wir sprechen und um was für ein Holz es sich handelt. Solide Eiche nimmt einfach deutlich weniger Kieselgur auf, das auch so gut wie gar nicht in die Tiefe eindringt. Bei Fichte sieht das dann schon wieder anders aus. Allerdings: wenn man man 2 cm tiefer ins Holz bohrt kann da immer noch der Schimmel drin wüten und die “oberflächliche Sicherheit” wird oft überschätzt. Nach 1-2 Jahren in einer feuchten Umgebung (z.B. einer kühlen Zimmerecke) ist so behandeltes Holz quasi wieder schutzlos, weil durch die Feuchtigkeit die Wirksamkeit des Kieselgurs stark leidet. Daher hat man früher Ställe spätestens nach 2 Jahren wieder neu tünchen müssen.
          Beste Grüße
          Sindy

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