Alternative Schimmelsanierung mit Ozon, Fruchtsäuren und effektiven Mikroorganismen

Ozonverneblung, fruchtsäurehaltige Produkte, effektive Mikroorganismen (EM) – neben chlorhaltigen Produkten, Alkohol und Wasserstoffperoxid bieten einige Schimmelpilzsanierer alternative Produkte bei der Bekämpfung von Schimmelpilzen an. Was gibt es hierbei zu beachten?

Schimmel lässt sich mit vielen Substanzen entfernen

Zuerst die gute Nachricht: Ozon, Fruchtsäuren und sogar die effektiven Mikroorganismen töten Schimmelpilze ab. Dennoch haben diese Produkte, so wie Wasserstoffperoxid und Alkohol auch, ihre “Tücken”. Damit Sie selbst entscheiden können, zu welchen Mittel Sie bei einer Entfernung in Eigenregie greifen, hier die Vor- und Nachteile.

Eines vorne weg: Mit dem Abtöten der Schimmelpilze ist die Sanierung nicht beendet! Eine erfolgreiche Sanierung ist erst dann abgeschlossen, wenn die ganzen “Schimmelpilzleichen” und abgetöteten Sporen auch entfernt wurden. Die Oberflächenproteine der Schimmelpilze wirken sich auch in abgestorbenen Zustand noch auf die Gesundheit aus. Sie können sich das wie mit der Oberfläche eines Fußballs vorstellt. Ob der Fußball noch spielbar ist oder kaputt, ist egal, die ledrig strukturierte Oberfläche besitzt er nach wie vor und wenn Sie allergisch auf Leder reagieren, erkennt Ihr Immunsystem nur: “Da ist Leder.” Ähnlich verhält es sich mit Schimmelpilzen. Deshalb ist eine Feinreinigung nach einer Sanierung unabdingbar.

Ein allgemeiner Hinweis: Es sollte so selten wie möglich mit Sprühflaschen gearbeitet werden. Schimmelpilzesporen fliegen beim geringsten Druckunterscheid davon. Eine Pumpsprühflasche “scheucht” die Sporen regelrecht auf. Nutzen Sie lieber einen Pinsel zum Auftragen, wenn der Befallsort gut zugänglich ist.

Ozonverneblung

Hierbei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem die Wohnung oder auch der befallene Raum komplett abgeriegelt wird. Alle lebende Organismen – Pflanzen, Haustiere, Mensch – müssen den Raum verlassen. Anschließend wird dort ein Gerät aufgestellt, das den Raum mehrerer Stunden mit Ozon begast. Der hochreaktive Sauerstoff interagiert mit den Schimmelpilzen und zerstört diese. Dann wird ein Unterdruck an den Arbeitsbereich angelegt und das Ozon abgesaugt. Wenige Stunden später ist der Raum wieder begehbar.
Die Vorteile der Ozonverneblung:
-Sie kommt auch in unzugängliche Bereiche wie Rohrdurchbrüche, schlecht zugängliche Schächte usw.
-Sie tötet gleichzeitig Keime und Sporen in der Raumluft ab und beseitigt auch den unangenehmen Gerüche.
-Sie eigenet sich z.B. in Bücherarchiven und an Orten, wo es kaum möglich ist, sämtliche Oberflächen zu erfassen.
Die Nachteile der Ozonverneblung:
-Sie beseitig die Schimmelpilze nur oberflächlich, da man das Mauerwerk nicht mit Ozon “tränken” kann.
-Die Methode ist kosteninstensiv, da nur wenige Firmen Ozonverneblungn anbieten.
-Fragen Sie unbedingt bei der ausführenden Firma nach einer Feinreinigung! Leider sehen viele Firmen ihre Arbeit mit dem Abbau der Ozonnebelmaschine als abgeschlossen an.

Fruchtsäurevereblung

Diese funktioniert analog zur Ozonverneblung. Die ausführenden Firmen und Hersteller des Produkts geben außerdem an, dass Menschen, Tier und Pfanzen bei der Verneblung oder Besprühung mit Fruchtsäurederivaten den entsprechenden Raum nicht verlassen müssen. Ich würde es be einer großflächigen Verneblung dennoch tun, denn die meisten Fruchtsäureprodukte zur Schimmelpilzbekämpfung enthalten auch Wasserstoffperoxid. Weder Fruchsäuren noch Peroxid sollte man einatmen. Meist haben Mitarbeiter eine Schutzausrüstung an und einen Sprütank auf dem Rücken und nebeln mit einer entsprechenden Düse die Befallsstelle ein. Manche Firmen bieten auch hier eine komplette Verneblung ganzer Räume an, um Sporen in der Raumluft abzutöten. Nach einer Einwirkzeit von mehreren Minuten bis Stunden sind die Pilze und Sporen vernichtet – aber eben nicht enfernt.

Für den Hausgebrauch bietet z.B. die Firma Jati Sprühflaschen mit Fruchtsäure an. Auch hier würde ich den Sprühkopf abschreiben und die Lösung mit einem Pinsel auftragen.
Die Vorteile:
-Sie kommt auch in unzugängliche Bereiche wie Rohrdurchbrüche, schlecht zugängliche Schächte, Dachstühle usw.
-Sie tötet gleichzeitig Keime und Sporen in der Raumluft ab und beseitigt auch den unangenehmen Modergeruch.
-Sie ist im Vergleich zum Ozon wahrscheinlich die “sanftere Methode”.
-Fruchtsäureprodukte lassen sich anwenden wie Alkohol und lassen sich auch gut mit einem Pinsel direkt aud den Ort des Befalls auftragen.
-Fruchtsäuren stellen eine Alternative da, wenn Bewohner gesundheitlich auf Alkoholdämpfe reagieren (Alkoholiker, Schwangere, Kleinkinder, u.a.) und ein empfindlicher Untergrund eine Behandlung mit konzentriertem Wasserstoffperoxid nicht zulässt.

Die Nachteile:
-Fruchtsäuren sind sauer und Schimmelpilze wachsen lieber auf saurem, statt auf alkalischem Untergrund. Wie es sich mit einer Neubesiedlung auf so behandelten Untergründen verhält, ist bislang nicht ausreichend untersucht.
-Analog zum Ozon sehen auch hier die ausfürenden Firmen ihre Aufgabe oftmals mit der Verneblung als abgeschlossen an. Plakativ ausgedrückt: Die Schimmelpilzleichen liegen dementsprechend noch überall herum.
-Auch hier stellt sich die Frage, wie tief bei einer Verneblung der Wirkstoff in den Untergrund einzieht.

Effektive Mikroorganismen

Sie sind so ein wenig die Wunderwaffe mancher Baubiologen: Die Mischung von anaeroben Mikroorganismen die von Teruo Higa, einem japanischen Professor, in der Bokashi, der “Abfallflüssigkeit” mancher Biotonnen gefunden und erforscht wurde. Diese EMs sind in den Biotonnen tatsächlich dafür zuständig, dass unerwünschtes Schimmelpilzwachstum unterdrückt wird. Deshalb lag der Gedanke nahe diese Mikroorganismen zur Bekämpfung von Schimmelpilzen einzusetzten. Biologisch ist das Prinzip der Besiedlung mit einer Art zur Unterdrückung einer anderen Art schon lange bekannt. Allerdings ist bei den EMs die Studienphase noch lange nicht abgeschlossen. Gesicherte Erkenntnisse zur Dosis und Wirksamkeit liegen noch nicht in jedem Bereich vor. Daher kann ich zur Zeit keine Empfehlung für die Schimmelpilzbekämpfung an Wänden mittels EMs geben. Sicher ist dies jedoch ein interessanter Ansatz und für Experimentierfreudige allemal einen Versuch wert – jedoch bitte nicht im Schlafzimmer oder anderen Wohnräumen! Hier sollten Pilze so schnell wie möglich Ihrer Gesundheit zuliebe beseitigt werden. Wer jedoch einen zum Wohnraum hin abgeschlossenen Keller hat, in dem es schimmelt, der kann sich hier ein wenig mit der Wirksamkeit der EMs befassen. Für Rückmeldungen bin ich Ihnen sehr dankbar.

Sie haben Fragen oder sind sich unsicher bei der Schimmelsanierung? Rufen Sie mich an, ich helfe Ihnen gern: 06203/955780.

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5 Antworten auf Alternative Schimmelsanierung mit Ozon, Fruchtsäuren und effektiven Mikroorganismen

  1. Thommi Ohl sagt:

    Guten tag,

    in meinem Wohnmobil ist durch eine undichte Dachluke Wasser eingedrungen und in 2 Schränken ist auf der Innenseite Schimmel gewachsen.

    Ich habe vor diese Holzplatten zu demontieren, mit Wasserstoffperoxid zu reinigen und danach mit Klarlack (Bootslack) zu versiegeln, damit evtl. tiefer liegende Sporen einzuschließen.

    Ein Problem sehe ich in der Decken- und Wandbeschichtung, diese ist mit Teppich ausgeführt.

    Es gibt m.E. nach 2 Möglichkeiten, Ozonbehandlung oder Waserstoffperoxid. Danach alle Flächen absaugen bzw. mit Naßsauger abwaschen und absaugen.

    Ich erbitte Ihre Einschätzung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Thommi Ohl

    • Sindy sagt:

      Hallo Herr Ohl,
      ich würde komplett austauschen, was komplett auszutauschen geht. Die Holzplatten würde ich durch neue ersetzten, Decken- und Wandteppiche austauschen, da diese mit Wasserstoffperoxid bestimmt ausgebleicht werden und dann ohnehin unansehlich aussehen. Ozonbehandlung wäre ein Versuch wert, allerdings bekommt man die Sporen”leichen” nicht so ohne weiters aus dem Gewebe heraus. Wenn sie kein Allergiker sind und auch sonst keine Probleme mit Schimmelpilzen haben, können sie das versuchen. Wenn Sie aber unter Schimmelpilzen leiden, sollten sie auf ihre Teppichausführung verzichten und nach einer Alternativen Verkleidung suchen.
      Mit besten Grüßen
      Sindy

      • Thommi Ohl sagt:

        Guten Morgen,

        eine Allergie habe ich nicht.

        Austausch der Platten/ Möbelteile und Teppich geht nicht, dass würde einem kompletten Ausbau aller Möbel bedeuten. Zum zweiten, das Möbelholz/ Dekor gibt es nicht mehr.

        Dann wäre die einzige Alternative die Hitzebehandlung.

        Da das Auto aber nicht versichert ist….

        • Thommi Ohl sagt:

          Ach so, vergessen habe ich: Mit dem Nasssauger habe ich einen Kärcher Puzzi gemeint.

          Der versprüht den Reiniger und saugt das Gewebe mehr oder weniger gleich wieder trocken.

          Alternativ könnte man auch Isopropylalkohol oder Ihre vorgeschlagene Sodalösung aufbringen, z.B. mit Pumpflasche oder Druckluft (Lackierpistole).

          Zudem ist die Frage, sind die Soren “lokal begrenzt” im Gewebe vorhanden wenn im Fzg keinerlei Bewegung ist oder sind die im gesamtem umbautem Raum unsichtbar “unterwegs” (ca 8 m³)?

          Werden die Sporenleichen durch die Zwangsentlüftung (im Fahrbetrieb des Fzges entsteht Unterdruck) herausgesogen?

          Ich meine, ich hätte gelesen das die Zugluft nun garnicht mögen?

          • Sindy sagt:

            Hallo Herr Ohl,
            da die Belastung und bautechnische Situation in einen Wohnmobil doch etwas komplexer ist, sollten Sie bezüglich einer Sanierung vielleicht besser einen Baubiologen vor Ort kontaktieren, der sich das Wohnmobil einmal anschaut. Der VDB (http://www.baubiologie.net/) kann Ihnen da sicher einen guten Ansprechpartner nennen. Auf der Seite finden Sie auch eine kostenfreie Service-Telefonnummer.
            Ich selbst habe schlechte erfahrungen in sachen Schimmelpilzsanierung von Teppichböden gemacht. Allerdings muss man sehen, dass ihre Teppiche an Decke und Wand hängen und hier mitunter die Feuchtigkeit auch schneller abtrocknen konnte, als bei Feuchteschäden im Innenraum, wen es dort zu schimmelbefallenen Fußböden kommt. In wie weit die Oberflächen udn Teppiche wirklich belastet sich, kann nur einen mykobiologische Untersuchung zeigen.
            Wenn Sie den Weg über einen Baubiolgen nicht geben möchten, können Sie eine Probe von der Befallsfläche nehmen, mit dem Kärcher Puzzi die Verkleidungen reinigen (evtl mit Soda-Lauge), die Hölzer maskieren, das Wohnmobil grundreinigen und anschließend gut durchtrocken lassen. Dann nehmen Sie an der Stelle neben ihrer ersten Probe eine zweite (damit haben Sie den Zustand vor und nach der Sanierung festgehalten) Probe vom ehemals befallenen Material ab und senden das an ein mykobiologisches Labor mit der Bitte, sich die Befallsstärke anzuschauen. Rufen Sie dort vorher an und lassen Sie sich aufklären, was genau das Labor braucht, wie die Probe am besten zu verpacken ist und auch wann es ein guter Zeitpunkt ist, die Probe anzuschicken (wegn Urlauben, Auftragslage usw). Eines der besten Labore die ich kenne ist das IAM in Amöneburg (http://www.iam-europa.com/). Auf die Weise halten Sie die Kosten bis auf die Laboranalytik in grenzen, aber haben einen kleinen Einblick, ob ihre Sanierung geholfen hat, oder nicht. Eine solche Analyse kosten zwischen 40 und 120 Euro – aber da kann ihnen das Labor ebenfalls eine Kostenvoranschlag machen.
            Mehr kann ich leider nicht für Sie tun, da die Situation im Wohnmobil doch eine andere ist, als in der Wohnung. Ich hoffe dennoch ich konnte helfen.
            Liebe Grüße Sindy

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